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Sabine Boebé

Frauenporträts
Sabine Boebé – Märchenhaft engagiert

Sabine Boebé ist in Erftstadt zumindest unter den Alteingesessenen in ihrem Wohnort Liblar eine bekannte Persönlichkeit. Eine spontane, nicht repräsentative kleine Umfrage auf dem Liblarer Wochenmarkt förderte einige Schlagworte zu Tage: „Schlosspark?“ – „Märchenbuch? Stand doch gerade wieder in der Zeitung!“ – „Carl-Schurz-Medaille!“

Großes Interesse und Leidenschaft ausgelebt auf verschiedensten Gebieten zeichnen sie aus, vieles spielt ineinander und eine Trennung in die Pädagogin, Historikerin, Autorin und Naturfreundin erscheint unsinnig und willkürlich, soll aber dennoch helfen, ein wenig Übersicht über die erstaunlich zahlreichen Facetten ihres Schaffens und Engagements für unsere Stadt zu gewinnen.Internetta hat Frau Boebé an einem heißen Julitag im Sommer 2007 besucht. Wie sie da inmitten ihres wunderschönen Gartens steht und uns mit gleichzeitig strengem und gütigem Gesichtsausdruck entgegenschaut, erscheint sie mir fast wie eine der Gestalten aus ihren verwunschenen Märchengeschichten. Aber ihr hellwacher Verstand und die blitzenden blauen Augen erinnern daran, dass diese Frau trotz fortgeschrittenen Alters noch mit beiden Beinen im Leben steht.

Die Pädagogin

Sabine Boebé wurde 1925 in Potsdam geboren. Mit augenzwinkerndem Stolz weiß sie über eine Großmutter zu berichten, die noch „Wäschebeschließerin bei Hofe“ war.

Nach einem zunächst medizinischen Studium mit Lazarettpraktikum ab 1943 spürt sie allerdings bald, dass dies wohl „nicht das Richtige“ für sie ist. So wechselt sie zu einem Studium in Geschichte, Erdkunde und Deutsch, zunächst in Berlin, später in Göttingen. Sie absolviert ein unglaubliches Pensum mit gleich zweimal erstem und zweitem Staatsexamen in Ost und West – („denn im Westen galt der erste Abschluss nicht“) in Deutsch, Geschichte, Geographie und Pädagogik sowie einem weiteren als Werklehrerin, legt insgesamt also fünf Staatsexamen ab.

“Ich wurde Lehrerin, wie schon die Mutter und Großmutter…“

1952 kommt sie nach Köln. Dort heiratet sie 1956, drei Söhne kommen zur Welt. Das hält sie nicht im Geringsten von Beruf und Berufung ab: Neun Jahre ist sie in Köln als Lehrerin an einer Volksschule tätig.

1962 zieht sie mit ihrer Familie nach Erftstadt und wird Lehrerin an der Carl-Schurz-Hauptschule. Ihre erzieherische Tätigkeit endet aber nicht bei Schulschluss: So erzählt sie mit trockenem Humor, dass sich an so manchem Nachmittag die Kinder aus der Nachbarschaft bei ihr getummelt hätten und deren Hausaufgaben zusammen mit denen des eigenen Nachwuchses überwacht wurden.

Nach der Pensionierung im Jahr 1981 überlegt die passionierte  Geisteswissenschaftlerin nicht lange: Ein Energiebündel wie sie kann  sich nicht einfach von der Arbeit verabschieden. Sie beginnt noch  einmal ein Studium, diesmal in Bonn,  mit dem Ziel Magister der Kunstgeschichte,  christlichen Archäologie und vergleichenden Religionswissenschaft . Immer weiter zu lernen und ihr Wissen anderen zu vermitteln  ist  und bleibt ihr ein tiefes Bedürfnis.

“Ich konnte mich doch nicht einfach zur Ruhe setzen…”

Ein großes Herz nicht nur für die eigenen Kinder und für die unterrichteten Pänz in den verschiedenen Schulen, sondern auch für Kinder in aller Welt beweist Sabine Boebé mit ihrer mehr als fünfzig Jahre dauernden ehrenamtlichen Tätigkeit für UNICEF. Für diesen Einsatz erhielt sie 1996 in Bergheim das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Die Historikerin

Während ich noch rätsele, wie man es schafft, sich in mindestens zwölf verschiedenen Vereinen innerhalb und außerhalb von Erftstadt zu engagieren, merkt sie bescheiden an, dass sie inzwischen „nur noch“ in drei Vereinen tätig sei, dies aber mit ganzem Herzen. Im Förderverein Schlosspark-Gracht war sie lange Jahre Geschäftsführerin, jetzt engagiert sie sich noch immer als Beirätin. Im Denkmalschutzverein hält sie weiterhin Führungen und Vorträge. Und natürlich bleibt sie dem Carl-Schurz-Verein mit ca. 60 Mitgliedern und seinem Vorsitzenden Walter Kessler treu, hier ist sie 2. Vorsitzende. Da passt es doch gut, dass sie beim Jahresempfang der Stadt Erftstadt 2007 für ihr großes Engagement auf so vielen unterschiedlichen Gebieten mit der Carl-Schurz-Medaille ausgezeichnet wurde.

“Eine Stadt wie Erftstadt braucht einfach ein eigenes Museum!”

Für Carl Schurz, der 1829 in Liblar geboren wurde und noch heute als der bedeutendste amerikanische Politiker deutscher Herkunft gilt, wurde vor vielen Jahren ein kleines Archiv mit Büchern eingerichtet. Dieses Archiv, das Sabine Boebé besonders am Herzen liegt, lagert derzeit noch in einem kleinen Raum im Erftstädter Rathaus. Weitere wertvolle Sammlungen von Fotos, Dokumenten, Briefen, alten Zeitungen und anderen Zeugnissen liegen zur Zeit noch in privaten Kellern und müssten ihrer Ansicht nach unbedingt in die Öffentlichkeit, daher setzt sie sich schon lange vehement für eine besondere Anlaufstelle ein. Am liebsten wäre ihr ein richtiges kleines Museum, für das sie auch bereits seit längerem einen geeigneten Ort im Auge hat: „Der alte Esser Hof in Liblar würde doch eine wunderbare Atmosphäre bieten!“

Unzählige Gespräche mit der Stadt und Vertretern anderer Vereine hat sie bereits geführt, aber “für solch ein Ziel braucht es eben einen langen Atem…”

Die Autorin

Im Laufe der Jahre hat Sabine Boebé eine beeindruckende kleine Bibliographie vorzuweisen. Die Lebenserinnerungen des Politikers und Freiheitskämpfers Schurz, der auch als Korrespondent und Schriftsteller tätig war, bearbeitete sie in dem kleinen Buch „Carl Schurz ganz kurz“, das 1984 im Verlag Heinz Pier erschien.


Eine weitere Veröffentlichung widmete Boebé dem trotz eines faszinierenden und abenteuerlichen Lebenswegs leider immer noch recht unbekannten Hermann Fürst von Pückler-Muskau. Der geniale Landschaftsgärnter kam auf einer seiner vielen Reisen nach Irland und veranlasste sie dazu, doch einmal „nachzusehen, was sich erhalten hat von dem, was er so pläsierlich vor uns ausgebreitet hat.“

Ihre Spurensuche führte zu einer Gegenüberstellung eigener Reiseeindrücke mit denen Pücklers und damit zu einem so ganz eigenen „Irischen Tagebuch“, veröffentlicht 1991 unter dem Titel „Eines Fürsten Irland – Auf Pücklers Spuren“. Dies zeigt Folgen bis in die heutigen Tage: Mit sichtbarer Freude zeigt sie uns ein 2006 bei Collins Press erschienenes Buch „As others saw us. Cork through European Eyes“.

Für die attraktive Sammlung mit Beiträgen ausländischer Autoren über Irland wurde sie neben Ralph Giordano als einzige Deutsche und als eine von nur sechs weiblichen Autorinnen ausgewählt – „und darauf bin ich sogar auch ein bisschen stolz.“ Zu Recht, meint Internetta.

Auch als Mitglied des in Bergheim beheimateten Autorenkreises Rhein-Erft hat Sabine Boebé viele Beiträge für verschiedene Anthologien mit Lyrik und Prosa verfasst.

Für das beliebte Erftstadt Jahrbuch, das 2008 bereits im 17. Jahrgang erschien, schrieb sie nahezu jedes Jahr einen Beitrag, unter anderem dreimal Porträts von interessanten Frauenpersönlichkeiten. Im Jahrgang 2008 erinnerte sie ausführlich an den Westfälischen Architekten Pictorius, der vor rund 300 Jahren die Gärten um Schloss Gracht entworfen hat. Auch das Heft 355 der Reihe des Vereins für Rheinische Denkmalpflege „Schloss Gracht in Erftstadt-Liblar“ wurde von ihr erstellt.

Ebenso gibt sie seit über 10 Jahren Jahren die Jahreshefte des Fördervereins Schlosspark Gracht heraus.

Ihr aus meiner Sicht vielleicht aber schönster literarischer Erfolg ist das liebevoll gestaltete Märchenbuch „Erftstadt Märchenhaft“, für das sie geheimnisvolle Geschichten aus den verschiedenen Ortsteilen Erftstadts mit genauem historischen Hintergrund geschrieben und damit für tausende Erftstädter Kinder Heimatkunde im besten Sinne betrieben hat. Noch heute wird es gern in den Grundschulen eingesetzt und 2007 hat sie das längst vergriffene Büchlein auf eigene Kosten neu drucken lassen, damit auch nachwachsende Generationen von I-Dötzchen über die fantasievoll erzählten Märchen ihrer Heimatstadt staunen können.

Die Architektur- und Naturliebhaberin

wird sofort erkennbar, wenn man nur ihren Garten anschaut. Da das Haus mitten darin eingebettet liegt und sich somit nicht die übliche Einteilung in Vor- und Hauptgarten ergibt, nutzte sie die Möglichkeit, auf allen vier Seiten je nach Licht- und Schatteneinfall ein wunderschönes Blumenparadies zu gestalten, das in den einzelnen Bereichen nach verschiedenen farblichen Schattierungen sortiert ist. Selbst ein in strahlendem Weiß gehaltener Teil fehlt nicht, ganz so wie in dem berühmten „White Garden“ von Sissinghurst Castle in der englischen Grafschaft Kent.

Für die Künstler in Erftstadt war es ein Glück, dass Sabine Boebé ihren Garten zehn Jahre lang für Kunstausstellungen zur Verfügung stellte und damit auch zu einem Ort der Begegnung und des Austausches werden ließ. Im Einklang mit Kunst und Natur ließen sich so Jahr für Jahr verschiedenste in Erftstadt entstandene Kunstwerke einer interessierten Öffenlichkeit präsentieren.

Gleich neben ihrem Grundstück, auf der Mauer ihres Nachbarn, lässt sich eine andere gestalterische Meisterleistung bestaunen. Auf diese Mauer malte sie in den Achtziger Jahren ein 30 Meter langes Wandbild, eine Landschaft zwischen Erftstadt und Wokingham, mit feinen, detailliert ausgeführten Motiven.

Trotz des Versuchs, einen Teil davon durch erneutes Übermalen zu restaurieren, waren die Details im Laufe der Zeit natürlich Lichtalterung und Witterungseinflüssen ausgesetzt und verblassen daher leider zusehends.

Zum Glück hatte durch den Förderkreis Partnerschaft Wokingham-Erftstadt und  seine Vorsitzende Lieselotte Engmann so manche englische Besuchergruppe die Gelegenheit, die in Bilder umgesetzte deutsch-englische Begegnung zu bewundern. Auch am Entstehen diverser grenzüberschreitender Freundschaften war Boebé nicht unbeteiligt, denn durch Schüleraustausch und Beteiligung an verschiedenen Aktivitäten half sie die Städtepartnerschaft mit vorzubereiten.

Wie schon erwähnt, liegt ihr als Mitglied des Fördervereins Schlosspark Gracht die Pflege und Erhaltung des in Liblar gelegenen Parks sehr am Herzen. Bürgermeister Ernst Dieter Bösche wies in seiner Rede zur Verleihung der Carl-Schurz-Medaille darauf hin, dass sie sich bereits seit mehr als 40 Jahren besonders darum kümmert.

Bösche erinnerte auch daran, dass Sabine Boebé über 10 Jahre im Vorstand der Sportgemeinschaft Erftstadt mitwirkte, als sachkundige Bürgerin im Ausschuss für Planung und Umwelt tätig war und die 850-Jahrfeier in Liblar mit organisiert hat. Da fällt kaum ins Gewicht, dass ihr Kampf für die Erhaltung des alten Liblarer Bahnhofgebäudes nicht zur Sprache kam, einer Aktion, die ihr selbst noch gut in Erinnerung ist. Schließlich wurde in dieser Rede auch erwähnt, dass sich die vielen kleinen und großen Gelegenheiten, bei denen sie sich beispielhaft und verantwortungsvoll engagiert hat, kaum aufzählen lassen.

Wir bedanken uns bei Frau Boebé für das Gespräch und wünschen ihr, sich noch viele Jahre mit Forschergeist und Freude ihren Interessen widmen zu können.

Das Interview mit Sabine Boebé führten Andrea Stehle-Raumann und Lieselotte Engmann im Juli 2007.
 
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