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Karin Burmeister

Frauenporträts
Mit Karin Burmeister sind die nachhaltig arbeitenden Frauenprojekte Café F. in Pulheim, die Karin-Burmeister-Stiftung, von der auch unser Internetta-Projekt schon zwei Mal profitiert hat, und vielfältiges weiteres politisches und gesellschaftliches Engagement verbunden. Ihr Wirken wird weit über die Stadtgrenzen hinaus geschätzt und gewürdigt.

Wie kam es dazu? Es lohnt sich hierfür, einen Blick auf den spannenden Lebenslauf der weiterhin aktiven und vitalen Frau zu werfen.

Geboren 1942 im mecklenburgischen Rostock wächst Karin Burmeister in einem kleinen Ort bei Oldenburg in Niedersachsen als Einzelkind auf. Ihr Vater führt einen Betrieb in der Textilbranche nach strengen Grundsätzen. Sie hat früh ihr eigenes Leben. Ihre Mutter verschont sie von den damals für Mädchen üblichen Haushaltspflichten. Nach dem Abitur hält sie nichts mehr in der elterlichen Familie, und sie zieht umgehend aus, um zunächst eine hauswirtschaftliche Grundausbildung in Kiel zu machen. Es folgt eine Ausbildung im Textilhandwerk in Mönchengladbach, die sie als Webereimeisterin abschließt. Danach plant sie eine Ausbildung als Textilingenieurin, fährt jedoch vorher zu einem Kurzbesuch nach Kalifornien, USA. Der verlängert sich jedoch um ein Jahr. Dort erhält sie die Möglichkeit, Business Administration zu studieren. In dieser Zeit beobachtet sie in einem Betrieb junge Chinesinnen, die Verbindungen stöpseln, und weiß sofort, dass die Datenverarbeitung das ist, was sie machen möchte. In Deutschland beginnt sie daraufhin in dem jungen Zweig der Datenverarbeitung bei IBM eine Assistentenausbildung. Die Lehrgänge und die konkrete Arbeit bereiten ihr viel Spaß. Zugleich genießt sie ihre finanzielle Unabhängigkeit als Frau. Fast 30 Jahre bleibt sie bei IBM als Systemberaterin und verfolgt und entwickelt die Datenverarbeitung von den Lochstreifen bis zum Personal Computer. Die Berufstätigkeit ist Ansporn und Herausforderung und bestimmt ihr Leben. Neu entwickelte Computerprogramme werden zum Teil nachts erprobt. Über viele Jahre verschreibt sie sich ihrer beruflichen Arbeit mit Haut und Haaren. Rückblickend charakterisiert sie ihr damaliges Leben als „Traumwelt”, in der aber für andere Interessen und Kontakte und Freunde/innen kaum Platz war.

Das 40. Lebensjahr wird zum Wendepunkt in ihrem Leben. Sie fragt sich, wie bekomme ich Anschluss? Die bislang vernachlässigten Freunde/innen, Kontakte, das soziale Leben und gesellschaftliches und politisches Engagement sollen ihren Platz bekommen. Sie engagiert sich zunächst im Umweltkreis der evangelischen Kirche in Pulheim. Um mehr Raum für Ihre Aktivitäten zu gewinnen, setzt sie bei IBM ein unübliches Modell durch: Sie arbeitet nur noch in Teilzeit und das 10 Jahre lang. Mit 51 Jahren geht sie vorzeitig in den Ruhestand, der aber angefüllt ist mit dem Ausbau ihres Einsatzes für Frauenanliegen und Umweltfragen sowie dem parteipolitischen Engagement bei den Grünen.

1990 gehört sie zu den Mitbegründerinnen des Café F., das aus dem frauenpolitischen Stammtisch in Pulheim hervorgeht. Die Frauen setzen durch, dass sie einen Raum erhalten und die Stadt die Mietkosten übernimmt. Mit dem Frauencafé schaffen sie einen Raum für Frauen, ganz im Sinne von Virginia Woolfe, „ein Raum für sich/mich allein”. Das selbstverwaltete Frauen- und Kulturcafé bietet ein reichhaltiges Programm an Bildung, Kultur, Kommunikation und Beratung. Eine eigene Frauenberatungsstelle wird integriert, unterschiedliche Projekte kommen hinzu, wie z.B. ein europäischer Freiwilligendienst mit Teilnehmerinnen aus ganz Europa oder ein gut angenommener Mittagstisch. Als Vorsitzende des Trägervereins gestaltet sie die Entwicklung des Cafés bis heute wesentlich durch innovative Ideen und Initiativen mit. 2012 feiert das Café F. 20 jähriges Bestehen und dokumentiert die Entwicklung und Aktivitäten in einer informativen Jubiläumsfestschrift. www.cafef.de.

Mit der Gründung einer eigenen Stiftung beginnt Karin Burmeister 1999 Projekte zur Gleichstellung von Frauen und Mädchen finanziell zu unterstützen. Ihr geht es darum, lokalen Initiativen unter die Arme zu greifen, insbesondere auch in der informationstechnischen Bildung und Umgang mit den neuen Medien. Anträge können laufend gestellt werden, einmal im Jahr trifft sich der Stiftungsrat, um geeignete Förderprojekte auszuwählen. www.karin-burmeister-stiftung.de.

Tiefe Befriedigung bereitet ihr des Weiteren bis heute ihre Dozentinnentätigkeit im EDV-Bereich bei der Volkshochschule Rhein-Erft. Sie unterrichtet Computer- und Office-Kurse für alle Altersgruppen und führt ihre Teilnehmenden bis zum Europäischen Computerpass.

Aus dem kommunalpolitischen Leben als Stadträtin in der Grünen-Fraktion hat sie sich vor einigen Jahren nach fast 25jähriger Ratstätigkeit zurückgezogen, um Jüngeren den Vortritt zu lassen. Sie freut sich, dass ihr Rat weiterhin gefragt ist, und bleibt somit in Kontakt.

Was bringt die Zukunft? Karin Burmeister äußert sich dahingehend: „Ich konnte unterschiedliche Projekte und Aktivitäten anstoßen und erfolgreich umsetzen. Ich wünsche mir jetzt mehr Zeit und Freiräume für eigene kulturelle und Freizeitaktivitäten. Schön wäre es, wenn die Projekte zunehmend von anderen fortgeführt würden.”

Wir haben den Eindruck gewonnen, ihr frauen- und gesellschaftliches Engagement wird bleiben. Sie kann bereits jetzt auf ein erfülltes, vielfältiges Lebenswerk zurückblicken. Verbunden mit diesen Lebensfrüchten wünschen wir ihr, dass jetzt vermehrt Genuss, Muße, Gesundheit und Lebensfreude auf der Tagesordnung stehen.

Das Gespräch führten Tessie Kürten und Edith Abel-Huhn
 
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