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Helga Eitz

Frauenporträts
“Das Leben ist nicht nur Eis und Schokolade. Man muss auch seine Meinung sagen und zu ihr stehen.”

Helga Eitz bezeichnet sich selbst als Kunstschaffende nicht als Künstlerin, wohl aus “angeborener Bescheidenheit” wie sie meinte. Rund 100 Skulpturen und 30 Reliefs hat sie geschaffen, aber nicht nur das. Sie ist vielseitig interessiert und engagiert, tätig bei der Tafel, im Schloss Parkverein Gracht, den sie mitgegründet hat, im Seniorenbeirat der Stadt Erftstadt, ist begeisterte Großmutter einer “süße Enkelin” und liebt das Segeln mit ihrem Mann – solange es noch möglich ist.

Im Mai 2009 empfing sie uns in ihrem Atelier-Zimmer, dem ehemaligen Kinderzimmer, in dem auch heute wieder ein Kinderbett für die Enkelin steht. Vor dem Fenster ist eine einfache, massive Arbeitsplatte angebracht, auf einem Wandregal stehen ein kleines ‘Arbeitskistchen’ mit dem erforderlichen Werkzeug, die Drehscheibe und Bücher. Mehr braucht sie nicht.

Wie fing denn alles an? wollten wir wissen.

Das werde ich immer wieder gefragt. Geboren in einer Familie, die sowohl dem Kommerz als auch der Schauspielerei und der Malerei ihre Wurzeln entzog, durchlief ich die damals klassische Berufsausbildung zur Kindermodeneinkäuferin einschließlich Abteilungsleiterin in einem großen Modehaus. In den ersten Jahren meiner Ehe widmete ich mich ganz meiner kleinen Familie. Bis mir in der Mitte meines Lebens diese Rollenverteilung nicht mehr gefiel. Ich begann meine Suche nach neuen Strukturen, Inhalten und Ausdrucksmöglichkeiten.

Was haben Sie gefunden?

Zuerst VHS Keramikkurse. Nach einigen Kursen wollte ich mich am menschlichen Körper ausbilden lassen. Ich fragte die Kursleiterin, Frau Klaus, nach einem Weg und erhielt als Antwort: “Benutzen Sie Ihren eigenen Kopf!”
So ergriff ich die Gelegenheit und nahm an Sommerkursen der “Europäischen Akademie Der Bildenden Künste” in Trier teil, wo ich von Prof. Hans Gassmann am menschlichen Akt und Kopf ausgebildet wurde (1985-1988).
Es folgte eine Weiterbildung bei der Bildhauerin Dagmar Stausberg, Aachen, bei der ich die Reduzierung des Körpers auf das Wesentliche erlernte (1989-1990).

Wie ging es weiter?

Mein Start in die künstlerische Selbstständigkeit ergab sich 1989, wo ich an einer Ausschreibung zu einem Relief über den Widerstandskämpfer Willi Graff (Weiße Rose) teilnahm Nun befasste ich mich intensiv auf dem künstlerischen Weg mit dem Widerstand des Einzelnen in der Gesellschaft.
“Jeder einzelne trägt die ganze Verantwortung.” Diese Worte wählte ich zum Thema meiner Arbeit schlechthin. Mein Engagement gegen das Vergessen sowie gegen Rassismus und Gewalt mündete in der Versenkung des Hakenkreuz- Kopfes in dem Projekt “Nie Wieder”.

Was bedeuten diese Projekte für Sie?

Diese und ähnlich gelagerte Projekte hatten für mich stets einen höheren Stellenwert als Ausstellungen in Galerien. Ausstellungen erzeugen Erwartungsdruck an Künstler, allerdings treibt die Belastung auch an.
Bei meinen Projekten suchte ich die Zusammenarbeit mit Senioren, Drogenabhängigen und Menschen, die sich eher am Rande unserer Gesellschaft wiederfinden. Ich denke da an das Projekt ” Engel” in Zusammenarbeit mit der Fachklinik, Liblar, an das Projekt,, Hände verbinden” mit ca. 40 Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Erftstadt und an das Projekt ” Der Fremde- ein Freund- mein Freund?” an dem 129 Schülerinnen/er aus Polen, Frankreich, England, Deutschland und Weißrussland teilnahmen.
Die fruchtbare Zusammenarbeit mit dem KULTURFORUM EUROPA gipfelte in zwei Projekten “Miteinander” in Wien und “Greifen nach” in Bonn/Krakau.
Mehr Informationen über die Projekte unter www.helga-eitz-skulptur.de.

Welches Material verwenden Sie?

Es ist ein besonderes Tonmaterial, das hochgebrannt und mit einer Patina versehen wird. Es lässt die Plastiken wie aus Holz oder Stein gefertigt aussehen. Dabei unterstützt die mit Furchen und Kratzern aufgerissene Oberfläche die expressionistische Sprache der Figur.
Gibt es einen Höhepunkt in der künstlerischen Laufbahn?

Ja, das war zweifelsohne die Verleihung des Kulturpreises 2003 des Rhein-Erft – Kreises durch Landrat Werner Stump. Allerdings sind Preise schön als Mutmacher, als Ehrung für das, was man gemacht hat – sie bringen aber nicht weiter.

Haben Sie Neider oder Feinde?

Natürlich, wenn man eigene Wege geht, stellen die sich auch ein.

Haben Sie einen Ratschlag für Frauen?

Frauen wehrt Euch, lasst euch nichts gefallen; geht dabei nicht mit der Brechstange ran, sondern mit Charme und Geschick, mit Intuition und Verstand.

Zum guten Schluss?

Ich war meiner nie sicher. Ist man sicher – wird man allgemein, in Formen der Kunst bedeutet das keinen Fortschritt.

Das Interview führten Lieselotte Engmann und Tessie Kürten


 
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