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Christiane Lorber

Frauenporträts
 
Christiane Lorber, Künstlerin
 
 
 
"Künstlerisches Arbeiten ist mir gleich Atmen"
 
"Ich male, also bin ich."


Im Erftstadt Jahrbuch 2017 befasst sich ein lesenswerter Beitrag mit der in Erftstadt lebenden Künstlerin Christiane Lorber. In einem Gespräch wird der Versuch unternommen zu klären, was sie antreibt, was ihre Themen sind, wie sie arbeitet und auf welchen Materialen. Diese vielseitigen Informationen über ihr künstlerisches Schaffen machen neugierig auf die Persönlichkeit, die hinter einem umfangreichen Werk und intensiven Arbeitsprozessen steht. Zurzeit umfasst ihr Oeuvre um die 20 000 Bilder, Installationen, bemalte Hefte, Künstlerbücher (bemalte und übermalte Exemplare) und Kunstkarten; außerdem daneben verfasst sie Gedichte, Aphorismen und Sinnsprüche und liebt es, mit Begriffen zu jonglieren. Sie ist in der Tat eine Künstlerin, auch wenn sie manchmal behauptet: "An immer mehr Tagen mag ich mich nicht mehr Künstlerin nennen, wenn ich sehe, wie inflationär der Begriff Kunst und Künstler benutzt wird."

Das Gespräch ist erschienen im Erftstadt Jahrbuch 2017, 26. Jahrgang, Herausgeber Stadt Erftstadt, unter dem Titel: "Die in Erftstadt lebende Künstlerin Christiane Lorber" von Klaus Schramm.

Angeregt durch den Artikel habe ich Christiane zuhause besucht. Gleich im Eingangsbereich ihrer Wohnung wird unerwartet der Blick von einer umfangreichen Sammlung von Ohrschmuck angezogen. An zwei großen Pinnwänden werden Ohrringe und -gehänge in allen Größen und Formen und farblich sortiert ausgestellt. Eine spielerische Aufforderung zum Betrachten? Zum anregenden Hinschauen? Dabei fällt mir wieder eines ihrer Zitate ein: "Ohne Spiel keine Ernsthaftigkeit."

Ihr Atelier ist ein heller Raum mit großer Fensterpartie; auf den Fensterbänken stehen weitere Sammelobjekte: gläserne Apothekengefäße. Apotheke - Alchemie - der Übergang liegt nahe, denn für Christiane ist die Alchemie der Malerei: "Kunst lässt Geistiges in Materie transformieren und durch den Blick des Betrachters wieder in Geistiges verwandeln."




Christiane, wann und wie kam Dein Entschluss, Dich beruflich der Malerei zu widmen?
 
"Es war mir unbewusst immer klar. Wenn ich male, bin ich nicht in einer anderen Welt, ich bin dann in der für mich einzigen Welt!"
 
Christiane Lorber wurde am 24.März 1959 in Wetter/Ruhr geboren. Nach dem Abitur studierte sie an der Gesamthochschule Universität Essen/Folkwang und machte dort 1986 ihren Abschluss als Diplom-Kommunikationsdesignerin in den Fächern Malerei, Fotografie und Grafik. Seitdem ist sie als freischaffende Künstlerin tätig. Seit vielen Jahren ist sie Dozentin an der VHS Erftstadt und erteilt ebenfalls Privatunterricht.


Christiane, wieso kamst Du nach Erftstadt?
 
"Einfache Antwort: die Nähe zu Köln, und in Erftstadt wohnte meine Schwester."
 
Ihre erste Einzelausstellung fand 1989 im SCHAU-FENSTER Künstlerforum Erftstadt e.V. statt; es war der Beginn einer umfangreichen, eindrucksvollen Beteiligung an zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen. Veröffentlichungen und Ankäufe durch öffentliche Einrichtungen folgten. Es würde den Rahmen dieses Gespräches sprengen, sie alle aufzulisten. Auf ihrer Homepage sind sie chronologisch aufgeführt:
www.christiane-lorber.de/vita
 

Christiane, bevorzugst Du ein bestimmtes Material?
 
"Ich liebe Papier! Papier liefert mir die beste Voraussetzung, um meine Vorstellungen umzusetzen."

Sie verwendet Transparentpapier, Buchseiten, Zellstoffbögen, Schleifpapiere, Kalenderblätter, Rechnungsblöcke und vieles mehr. Denn: "Jedes Papier hat einen eigenen Charakter und bietet mir daher die kongeniale Möglichkeit, eigene Techniken zu entwickeln."
Sie ist ständig auf der Suche nach neuen Papierarten - bei Firmen, auf Trödelmärkten, in ihrem Umfeld, immer und überall. Sie begibt sich gerne auf 'Materialpirsch'.


Bevorzugst Du bestimmte Themen?
 
"Nein, keine thematische Einengung."  
Christiane legt sich nicht auf bestimmte Themen fest. Sie ist der Meinung: "Es gibt nur eine Festlegung in der Kunst und die heißt: Keine Festlegungen! Aber darauf möchte ich mich auch nicht festlegen!"
 
 

Beschäftigst Du Dich mit Frauenthemen?
 
"Nicht direkt -  ich beschäftige mich aber auch mit Künstlerinnen, wie z.B. mit der jüdischen Malerin Charlotte Salomon, die 1943 im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ermordet wurde."
                                                                                                                                                                                                                                                       
für Charlotte Salomon

Oder  auch Lady Clementine Hawarden (Clementina Maude, Viscountess Hawarden, 1822-1865). Sie war eine der frühen englischen Pionierinnen der Fotografie. Ihre Arbeiten thematisieren überwiegend die Rolle der Frau zwischen den engen viktorianischen Traditionen und dem gesellschaftlichen Wandel der Industriellen Revolution."                                                                

Wie Christiane weiter ausführt, ist sie ganz besonders von der zeitgenössischen österreichischen Malerin Maria Lassning beeindruckt. Maria Lassnig wird heute als eine der ersten Künstlerinnen angesehen, die sich sehr früh mit der Stellung der Frau in der Kunstwelt und in der Gesellschaft auseinandersetzte und dabei darstellte, welchen Einfluss ihr "Frau-sein" auf ihr kreatives Schaffen und auf ihr Leben als Künstlerin hatte.

Christianes Statement "Ich bin eine Frau, arbeite und befasse mich mit Kunst als eine Frau" lässt sich in vielen ihrer Bilderreihen erkennen. Sie stellt dort immer wieder „Fragen an einen Menschen genannt Frau". (So auch der Titel einer ihrer Serien.)


Wie sieht es überhaupt mit der Kunst von Frauen im öffentlichen Bewusstsein aus?
 
"Künstlerinnen und Künstler werden unterschiedlich wahrgenommen, betrachtet und anerkannt; leider auch von vielen Frauen. Die Kunst von Frauen kann auf zwei Arten herabgewürdigt werden:
 
- Indem man postuliert, die Kunst von Frauen unterscheide sich nicht von der Kunst von Männern.
 
- Indem man postuliert, die Kunst von Frauen müsse sich von der Kunst von Männern unterscheiden.
 
Gäbe es mehr Ausstellungen von Künstlerinnen würde das zu einem anderen Blick auf die Kunst von Frauen führen. Bestimmt würden mehr Frauen als Museumsleiterinnen dazu beitragen."


In Erftstadt arbeitest Du mit viel Engagement im Redaktionsteam von Internetta mit. Was spornt Dich dabei an?

"Ich mache aus Überzeugung im Redaktionsteam mit. Durch meine Mitarbeit bin ich auf Themen gestoßen, über die ich mir bis dahin keine besonderen Gedanken gemacht habe, die für mich selbstverständlich waren. So war es zum Beispiel für mich völlig normal, dass ich studieren durfte, den Beruf ergreifen und ausüben konnte, den ich wollte. Ich habe erst bei Internetta mitbekommen, dass das für viele Mädchen/Frauen nicht normal war und noch immer nicht ist. Daher mein Interesse an der Mitarbeit bei Internetta."


Andere Frauen kennenzulernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen - ist das auch Deine Motivation, Dich beim Interkulturellen Frauencafé einzubringen und mitzuhelfen?

"Ja, ich treffe dort Frauen aus verschiedenen Kulturkreisen, mit denen ich ins Gespräch komme. Ich erfahre, wo sie herkommen, was sie erlebt haben, wie sie nun leben. Ich begebe mich dabei auf "virtuelle Reisen". Durch diese Gespräche erfahre ich mehr als nur durch Bilder in den Medien. Nachrichten bleiben anonym, es ist etwas völlig anderes einem Menschen direkt gegenüber zu sitzen und von seinem Leben/Schicksal zu erfahren!

Der interkulturelle Austausch ist anregend und einer aktiven Mithilfe wert."


Das Gespräch mit Christiane Lorber führte im Frühjahr 2017 Lieselotte Engmann
 
 
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