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Cecilie Sircar

Frauenporträts
– Ihr Einsatz für das Lake Gardens Women and Children Development Center in Kalkutta

Im Oktober 2011 trafen wir Cecilie Sircar in ihrem Haus in Lechenich, kurz vor ihrer Abreise nach Indien. Wie schon seit vielen Jahren verbringt sie jährlich einige Monate in Kalkutta und kümmert dort sich um das Lake Gardens Women and Children Development Center, das sie vor 18 Jahren gegründet hat.

Kalkutta ist mit etwa 15. Millionen Einwohnern die fünftgrößte Stadt der Welt. Die verarmte Landbevölkerung aus den umliegenden Provinzen strömt dorthin und lebt illegal in Slums am Rande der Stadt. Dort liegt auch das Mädchencenter. Die Nähe des Centre zu den Slums ist bewusst gewählt worden, damit die Mädchen und Frauen keinen weiten Weg zum Centre haben.

Wie fing denn alles an? wollten wir wissen.

Cecilie Sircar wurde in Lechenich geboren und ging auch dort zur Schule. Nach der Mittleren Reife absolvierte sie eine Lehre als Exportkauffrau. Mit 50 Jahren, als auch ihre Kinder mit dem Studium begannen, machte sie das Abitur nach und studierte Sozialpädagogik. ” Ich habe immer gerne gelernt!” verriet sie uns.

Ihr Mann stammt aus Indien. Während der Besuche in Indien sah sie das Elend der Mädchen. Ein Drittel der Bevölkerung Indiens lebt unter der Armutsgrenze, besonders betroffen sind dabei Frauen und Mädchen.

1990 schrieb sie ihre Diplomarbeit, für die sie eine Feldstudie in den Slums in Kalkutta durchführte. Dabei stellt sich heraus, dass nur 50% der Mädchen, aber fast 98% der Jungen in die Schule gingen! “Da wusste ich schon, dass ich in Indien etwas für Mädchen machen wollte!”

Der Gedanken eines Mädchencenters war geboren.

Wie ging es weiter?

1994 kaufte die Familie Sircar auf eigene Kosten eine Eigentumswohnung am Rand der Slums und richtete in den  Räume das Zentrum ein. Der Schul- und Nachhilfeunterricht für Mädchen konnte beginnen, zuerst für 30 Mädchen. In kürzester Zeit kamen schon 100 Kinder. Die Räumlichkeiten reichten nicht mehr aus. Heute besuchen etwa 400 Mädchen das Centre.

2003 gelang es mit Hilfe von Spendengeldern, ein neues Haus zu erwerben – Platz für die vielen weiteren Aktivitäten.

Was bietet das Mädchen Centre an?

Die Betreuung der Kinder fängt im Alter von 4 Monaten in der Krabbelstube an, um sie gesund zu ernähren und die Voraussetzung für den späteren Schulbesuch zu schaffen.

Es werden auch Mutter und Kind Kurse angeboten, in erster Linie in Hygiene, und seit neuestem PEKIP-Kurse.

Für Mädchen von Klasse 1-10 wird eine Hausarbeiten-Betreuung und Nachhilfeunterricht angeboten. Zu den Schulen besteht ein guter Kontakt. Schuleschwänzen oder Schulabbrechen wird sofort dem Centre gemeldet.

Die angebotenen Kurse in Nähen und Schneidern, Kosmetik und Massage, Ausbildung zur Schwesternhelferin und zur Medizinisch-Technischen Assistentin runden die Weiterbildung ab. Die erworbenen Zertifikate erleichtern den beruflichen Einstieg.

Die langjährige Zusammenarbeit mit den Müttern trägt inzwischen auch Früchte. Die Frauen sind heute in der Lage, eigenständige Gruppen zu bilden, um sich für die Teilnahme an den Spar-, Kredit- und Befähigungsprogrammen zu qualifizieren. Dadurch können sie die Lebenssituation ihrer Familien verbessern.

Jetzt gibt es auch eine Öko-Gruppe in Lake Gardens: sie hat Bäume und Blumen im Slum gepflanzt und dafür gesorgt, dass Wasserhähne an Hydranten angebracht wurden, um das Leben im Slum etwas angenehmer zu machen.

Welche Kinder werden aufgenommen?

“Das ist immer eine sehr schwere Entscheidung. Wir haben nur 50 Plätze zur Verfügung und können nur die Ärmsten der Ärmsten nehmen.”

Wie arbeitet das Centre?

Das Center ist von 8-19 Uhr geöffnet. Etwa 50 Babies und Kleinkinder werden zur Zeit betreut. Jede zweite Woche kommt ein Arzt, der die Kinder untersucht.

Drei Sozialarbeiterinnen sind im Zentrum beschäftigt, die in drei Schichten arbeiten.


Wie finanziert sich das Centre?

Eine staatliche Unterstützung gibt es nicht. Die Stadt Kalkutta ist dem Centre wohlgesonnen; sie stellt mal einen Sportplatz kostenfrei zur Verfügung, bietet mal Sonderkonditionen an, baut einen Abwasserkanal, erneuert die Straße oder hilft bei den Kinderfesten des Centres.

Unterstützt wird das Centre durch terre des hommes Osnabrück, durch Hoffnungszeichen in Singen und die Indienhilfe Herrsching e.V.

Für den Rest der laufenden Kosten kommt der Verein der Freunde und Förderer Lake Gardens e.V., Erftstadt auf.

Was bedeuten diese Projekte für Sie?

“Für mich ist es zum Hauptberuf geworden!”

Was machen Sie, wenn Sie wieder in Erftstadt sind?

“Wir helfen von hier aus dem Mädchen Centre, in dem wir Spendengelder beschaffen. Wir organisieren einen Indischer Basar in Erftstadt, veranstalten Benefizkonzerte und sind bei vielen Gelegenheiten mit unserem Informationsstand vertreten, an dem wir Handarbeiten unserer Mädchen verkaufen.”

Ich besuche gerne das Interkulturelle Frauencafé, um mit anderen Frauen aus verschiedenen Kulturkreisen ins Gespräch zu kommen. Außerdem bin ich noch Seniorenbetreuerin und kümmere mich um eine alte Dame. Ich lese gerne und backe gerne Kuchen, die ich in Indien etwas vermisse. Langeweile kenne ich nicht.”

Was treibt Sie an?

Mein soziales und humanitäres Engagement.

Gibt es ein Motto für ihre Arbeit?

“Nicht lange reden, sondern was tun!”

Das Interview führten Lieselotte Engmann und Tessie Kürten, November 2011
 
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